Die Kirche verbietet nicht nur Sex vor der Ehe…
Ihr spielt demnächst in Nürnberg – was ja nur ein Teil eurer Tour ist…
M.Stolz: Ja, wir sind generell auf Tour, Nürnberg ist eine Station von 10 Konzerten zum 10-jährigen Bandjubiläum. Wir präsentieren unser neues Album, Das weiße Lied, das im Dezember raus gekommen ist. Das ist ein rein akustisches Album, ohne E-Gitarren und Synthesizer und überhaupt ist das sehr im Unplugged-Charakter gehalten. Die alten Songs, die wir verwendet haben, wurden abgespeckt, was die Wucht angeht. Und man hat so ein bisschen bei Jazz und Klassik sich die Sachen abgeguggt und den Stil neu arrangiert bzw. haben wir ja auch mit einer Frauenstimme gearbeitet.
Ihr habt euch ja auch von Schandmaul und Subway to Sally Unterstützung geholt.
M.Stolz: Genau. Leandra hat Piano gespielt und gesungen und die Geigerinnen von Schandmaul und Subway haben unser Quartett vervollständigt. Wir haben also ein klassisches Quartett auf der Platte drauf. So wird das dann auch im Löwensaal zu hören sein. Wir werden das im Sitzen darbieten und es wird ein klassisch, jazzig angehauchtes Unplugged-Konzert.
Also richtig ruhig und entspannt?
M.Stolz: Ja, das Publikum ist komplett bestuhlt und wer tanzen möchte, kann es ruhig tun, aber es wird wohl nicht dazu anregen. Es sind mitreißende Lieder, aber wir haben mehr Wert auf Emotion und Tiefgang gelegt.
Es wird ein reines Zuhör-Konzert, nicht wie man es von Letzte Instanz gewöhnt ist mit Action auf der Bühne.
Es ist ja auch ein ziemlich krasser Umschlag zu den anderen Alben, die doch eher rockig und härtere Angelegenheiten waren.
M.Stolz: Es war eigentlich immer unser Wunsch, dass wir mal ein Unplugged-Konzert geben oder eine Platte machen. Wir hatten nie Zeit dafür bzw. durch den häufigen Besetzungswechsel in der Band war es immer schwierig. Jetzt zum 10-jährigen dachten wir uns, es muss eine Best-of her… das Unplugged ist ja so eine Art Best-of weil da wirklich ein roter Faden aus der Bandgeschichte heraus genommen und neu verpackt wurde. Vier neue Stücke sind noch mit drauf, um den Weg zu zeigen, wo es in Zukunft hingehen wird.
Ihr habt euch dann mit diesem Akustikalbum einen kleinen, lange geplanten Traum erfüllt, es war also nicht nur ein Wunsch nach Abwechslung?
M.Stolz: Ja, das ist schon länger geplant. Den Wunsch nach Abwechslung gab es auch schon länger, wir hatten bloß früher gar nicht das musikalische Know-How um das schön umzusetzen. Wir mussten alle noch etwas reif werden und an unseren Instrumenten arbeiten.
Und jetzt hat es sich angeboten.. die Plattenfirma meinte „Mensch macht doch mal was akustisches“ und da es ja schon länger geplant oder angedacht und jetzt hat es nach zwei Rock-Alben thematisch gut gepasst.
So als Abwechslung…
M.Stolz: Wir waren ja auch viel unterwegs und sind ein bisschen müde geworden und wollten mal nicht jeden Abend laute Musik machen.
Also der Wunsch nach Abwechslung ist sehr stark dabei.
Dazu kommen natürlich auch die Locations. In Nürnberg hat es leider nicht geklappt, weil die katholische Kirche etwas gegen unseren Bandnamen hat. In anderen Bundesländern haben wir viele Kirchen, in denen wir spielen werden. Dieses Ambiente haben wir uns immer erträumt, vor einem Altar zu sitzen und in so einem schönen Haus in festlicher Stimmung zu spielen. Das freut uns am meisten, das wir die schönen Locations haben.
Wollt ihr das auch die nächsten Jahre so beibehalten, ruhiger zu bleiben?
M.Stolz: Eigentlich ist es eine einmalige Sache, diese Tour. Es ist zumindest so angedacht. Vielleicht rappelts uns irgendwann zu sagen, wir schieben da nochmal was nach, wenn der Zuspruch groß ist und von den Fans der Wunsch wieder kommt.
Aber es ist natürlich schwierig, die Gäste mit einzubinden, weil die ja stark bei ihren anderen Bands eingebunden sind.
Ihr habt euch auch Größen geholt und nichts namenloses…
M.Stolz: Wenn man das wirklich nochmal macht, wird es wohl nicht in der gleichen Formation laufen aber wir kennen genug andere Streicher, mit denen wir das machen könnten.
Bei Schandmaul und Subway war es eben so, das wir uns von Festivals kannten und auch mögen. Und Musiker sagen halt immer „Mensch lass uns mal was zusammen machen.“ und jetzt haben wirs halt in die Tat umgesetzt und uns die Mädels ausgeliehen.
Wie läuft ein Tourtag bei euch ab? Feiert man nach 10 Jahren immer noch nach jedem Konzert? Habt ihr noch Lampenfieber?
M.Stolz: Es ist viel Routine mit reingekommen, Lampenfieber hatte man früher, weil die technischen Sachen nicht immer funktonierten. Mittlerweile können wir uns einfach auf unsere Crew verlassen, das alles klappt und wir das ausblenden können.
Bei größeren Konzerten haben wir natürlich noch Lampenfieber, z. B. Bei der Dark Winters Night in Oberhausen, wenn da auf einmal ganz viele Leute vor der Bühne sind, bist du schon aufgeregt. Genauso wenn du in deiner Heimatstadt spielst.
Noch ab und zu gibt es das, das man einen Tourabschluß oder -beginn feiert oder wenn man eine andere Band auf Festivals trifft, das man dann mal feiert.
Aber mittlerweile ist das diszipliniert geworden, weil bei einer 20-Tage-Tour feiern, das geht nicht lange gut..
Ist euch ein Konzert oder ein Erlebnis mit Fans in besonderer Erinnerung geblieben?
M.Stolz: Ja da gibt es einiges…. zum Beispiel in Schwerin, die Landeshauptstadt von Mecklenburg, eine wunderschöne Stadt. Wir sind einfach mal hingefahren und haben ein Konzert gegeben.
Wir wußten nicht, das es in dem Club üblich ist, eine Pause zu machen. Wir haben gespielt, bis zur Zugabe… haben gesagt „Ok, das war das Konzert und Tschüß.“ Es kamen keinerlei Zugaben-Rufe, das haben wir noch nie erlebt, selbst am Anfang. Wirklich funkstille, die Leute sind aus dem Saal raus und Bier trinken gegangen.
Der Veranstalter hat uns dann aufgeklärt und mit zerknirschten Gesicht sind wir dann wieder auf die Bühne gegangen.. die Motivation war einfach weg.
Wir haben danach noch ein bisschen mit den Fans gefeiert und drüber gelacht.
Vor kurzem haben wir wieder in Schwerin gespielt und die Pause diesmal eingeplant.
Auch wenn es schon lange her ist: Wie habt ihr eure Musikrichtung gefunden? Grad du als Geiger bist ja nicht der klassische Metaller?
M.Stolz: Hm, nö… stimmt.
Also es gab ja schon Bands vor uns… Subway to Sally und Inchtabokatables aus Berlin. Die hatten keine Gitarren, sonder Geigen und Celli verzerrt gespielt. Das klang wie Gitarre und dazu sind die wild rum gehopst. Da dacht ich mir „Mensch, das willst du auch können.“ und hab mir dann das vernachlässigte Geige spielen wieder rauf geschafft und eine Band gesucht.
Mittlerweile bin ich Dienstältester in der Bands.
Naja, es gibt jedenfalls genug Beispiele, wo eine Geige im Rockzirkus auch gut Platz findet. Es ist noch ungewöhnlich aber man kann was draus machen und einen guten Kontrast zu Gitarren bilden.
Wolltest du dann schon immer Metall spielen oder wolltest du eher bei der klassischen Geige bleiben?
M.Stolz: Also vom Geigenspiel her sollte es immer klassisch sein.. aber darum herum hab ich mir immer Metal/ Rockmäßig gewünscht.
Ich war in der Pubertät und hatte keine Lust mehr auf Klassik und wollte dann einfach andere Musik machen, weil ich auch andere Musik gehört hab.
Und das war eben die Musik, die wir dann auch angegangen.
Das Album „Wir sind Gold“ habt ihr auf der „Ins Licht“-Tour im Tourbus geschrieben…
M.Stolz: Zum Großteil vorbereitet und auf der Tour fertig gemacht… die Grundgerüste haben wir also im Tourbus vervollständigt. Sonst wäre so eine Tour zu kurz und zu anstrengend.
Wie sieht das Songwriting bei euch meistens aus? Jammt ihr locker drauf los, oder tragt ihr gezielt Gedanken zusammen?
M.Stolz: Es gibt ja Songwriter in der Band, die die Aufgabe haben, ab und zu Material zu liefern.
Jetzt zum Beispiel.. bis zur Akustiktour haben wir noch eineinhalb Monate Zeit und nutzen die – und die Zeit danach, um Songs zu schreiben.
Das Ziel ist, im Sommer / Herbst ins Studio zu gehen, bis dahin muss das Material stehen.
Prima… vielen Dank und ich wünsch euch viel Spaß und Erfolg auf der Tour!
M.Stolz: Danke, bis bald.. tschöö!
Darfs noch etwas mehr sein?:
- Im Interview: Tarot 3. September 2008; 0 mal Senf abgegeben
- Wo ist der Haken? 19. Januar 2009; 5 mal Senf abgegeben
- Glücksstöckchen 18. Oktober 2008; 0 mal Senf abgegeben


[...] muss ich spontan an das (von meiner Seite aus katastrophale) Interview denken, das ich mal mit M.Stolz führen durfte… oje, lieber schnell verdrängen [...]