In der Pflege stößt man immer wieder auf pflegebedürftige Menschen, die mit ihrer Situation so unzufrieden sind, das sie die tatsächlichen Umstände nicht wirklich realisieren, überschätzen ihre Fähigkeiten und lehnen jegliche Unterstützung ab, im häuslichen Bereich noch öfter als im Heim.
Seit Dezember betreuen wir einen Kunden, dem es eben genauso erging… Nicht nur einmal warf er uns Pflegekräfte aus seiner Wohnung, lehnte die komplette Versorgung ab. Mittlerweile lässt er manchmal etwas zu… einmal Rücken waschen, oder kurz mal eincremen. Aber immer ist es eine Gradwanderung, die Situation kann sofort kippen und man ist darauf gefasst, die Waschschüssel im Gesicht zu haben.
Genau diesen Mann fragte ich heute morgen wie jeden Tag abschließend, ob ich noch etwas für ihn tun dürfe. Auf einmal begann er verschmitzt zu grinsen und erklärte mir, sein Honig wäre leer. Er erklärte mir den Weg zum nahegelegenen Tante Emma Laden und bat mich, neuen Honig zu kaufen. Schon darüber hab ich mich gefreut – normalerweise schiebt er uns so schnell wie möglich wieder zur Wohnungstür hinaus.
Der Weg war kein weiter, nach 5 Minuten stand ich mit 2 Gläsern Honig wieder vor ihm… und er hat gejubelt und gestrahlt, als hätte er einen Sechser im Lotto! Er hat mich angestrahlt und immer wieder bedankt, mir und meiner Kollegin einen wunderschönen Tag gewünscht und von einem Ohr zum anderen gegrinst – für 5 Minuten minimalen Arbeitsaufwand.
Seine Freude war einfach so schön… es war eine dieser Situationen, in denen mein Hirn schreit “DESHALB TUST DU DAS!” und meine Arbeitsmotivation zum Himmel schießt. Herrlich.
Tags: Workaholic's Dream von Juli
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